Wenn jeder Atemzug zum Gesundheitsrisiko wird

Sicher ist, schlechte Luft ist schlecht für die Gesundheit und je dicker die Luft, umso höher ist das Risiko daran zu erkranken. Die Messungen der Landesumweltagentur zeigen, dass die Luftverschmutzung in Bozen und entlang der Brennerautobahn den Grenzwert für Stickstoffdioxid überschreitet. Seit Jahren ist dort jeder Atemzug ein Risiko. Besonders gefährdet sind vor allem Kinder, Schwangere sowie ältere Menschen und jene mit gesundheitlichen Vorbelastungen. Die EU hat für alle Mitgliedsstaaten bereits im Jahr 2005 verbindliche Luftgüte-Ziele erlassen. Inzwischen schreiben wir das Jahr 2018 und der Gesundheitsschutz kommt im wahrsten Sinn des Wortes unter die Räder.

Die Luftverschmutzung st sogar schlimmer als letzthin dargestellt, denn beim Feinstaub spricht der zuständige Landesrat „hat sich die Lage deutlich entspannt“. Beurteilt man die Luftqualität aber nicht an den europäischen Grenzwerten, sondern an den Zielwerten der Weltgesundheitsorganisation, dann besteht auch beim Feinstaub dringend Handlungsbedarf. Besonders gefährlich sind die ultrafeinen Partikel, die sogenannten PM2.5.

Wer ist für die Feinstaubemissionen und für die Stickoxidemissionen hauptverantwortlich? Eindeutig der motorisierte Verkehr und den schwarzen Peter hat der Dieselmotor. Er setzt in etwa 10-mal mehr Stickstoffoxide frei als ein benzinbetriebener Motor. Zudem wissen wir seit dem Dieselskandal, dass die Dieselfahrzeuge im Realbetrieb ein Vielfaches an Stickoxiden in die Luft pusten als sie laut Zulassung dürften. Seit vor rund hundert Jahren die ersten Fahrzeuge vom Fließband liefen, wurde vieles versucht, um die Verbrennungsmotoren zu zähmen, aber was hinten rauskommt ist immer noch ein Giftcocktail. Die Abgase belasten nicht nur die Atemluft, sondern auch die Vegetation, die Böden und das Trinkwasser.

Zu den lokalen Auswirkungen kommen noch die globalen Folgen des motorisierten Verkehrs. Gemeint ist die Klimawirkung verursacht durch den Ausstoß von Kohlendioxid, ein wirksames Treibhausgas. Für lange Zeit hielt man den Dieselmotor für weniger klimaschädlich, als den Benziner. Heute weiß man, dass der Unterschied irrelevant ist.

Mittlerweile zirkulieren weltweit schätzungsweise eine Milliarde Fahrzeuge. Im letzten Jahr kamen in etwa 80 Millionen Neufahrzeuge hinzu. Der Verkehr zählt global zu den Hauptverursachern der Klimaänderung. Um das Ziel des Pariser Klimaabkommens von 2015 zu erreichen – sowohl die EU als auch Italien haben dieses Abkommen unterzeichnet – müssen bis 2050 etwa 95 Prozent aller Fahrzeuge gänzlich auf fossile Energien verzichten.

Wie kann lokal auf diesen Herausforderungen geantwortet werden? Zweifelsohne werden die Antworten sich im Rahmen nationaler, europäischer und globaler Veränderungen bewegen müssen, aber es gibt einen Spielraum, den es gut zu nutzen gilt, um den Verkehr umwelt- und klimaschonender zu gestalten. Nur kurz da und dort an den Stellschrauben zu drehen, reicht nicht aus und ob im nächsten Winter Euro3-Diesel fahren dürfen oder nicht, ist auch nicht von zentraler Bedeutung. Vielmehr geht es um einen Wandel, der die Mobilitäts- und Transportbedürfnisse mit dem Umwelt-, Klima- und Ressourcenschutz versöhnt. Eine wahrlich titanische Aufgabe, aber weitermachen wie bisher, wäre unverantwortlich und gefährlich.

Südtirol braucht dringend einen nachhaltigen Mobilitätsplan. Dem Mantra von Verkehr vermeiden, verlagern, verträglicher machen, müssen endlich konkrete Aktionen folgen.

Ohne weitere Zeitverluste muss der Schwerverkehr auf der Autobahn erheblich reduziert werden. Solange fünf Millionen Lkws pro Jahr durchs Land donnern, kann ein Fahrverbot für Diesel-Pkws schwerlich zugemutet werden. Vor allem gilt es Lkw-Umweg-Verkehr zu unterbinden. Es kann nicht sein, dass die günstige Maut südlich des Brenners und die billigen Spritpreise auf Nordtiroler Seite, den Transitverkehr anziehen. Wir wissen wie mächtig die Transportlobby und wie schwach die Politik ist, aber die Grenze des Zumutbaren ist überschritten. Das Warten auf dem Brennerbasis Tunnel, ist wie einem Tumorkranken mit einer Medizin zu vertrösten, die frühesten in zehn Jahren kommt und bei der man noch nicht einmal weiß, dass sie helfen wird.

Im städtischen Bereich gilt es die umweltfreundlichsten Fortbewegungen, nämlich das Fuß gehen und das Fahrradfahren, noch stärker zu fördern, ebenso den öffentlichen Verkehr. Dieser muss sich besser an die Bedürfnisse der Menschen orientieren. Nur so wird es gelingen die Nutzung des eigenen Autos einzuschränken. Die öffentlichen Verkehrsmittel müssen selbstverständlich schadstoffarm oder schadstofffrei sein. Die Landesregierung hat aber den Ankauf von 124 Dieselbussen im Wert von 38 Millionen Euro beschlossen. Ein unverständliches und inkohärentes Vorhaben, weil man wissen müsste, dass auch Euro6 Fahrzeuge im Realbetrieb zu viele Stickoxide freisetzen.

Mehr Information und Klarheit bedarf es für Privatpersonen. Der Diesel und später alle Verbrennungsmotoren haben keinen Platz in einer nachhaltigen Mobilität. Schon allein aus Klimaschutzgründen braucht es alternative Antriebssysteme. Mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien wird die E-Mobilität noch umweltschonender als sie heute schon ist. In Norwegen, ein erdölexportierendes Land, wurden im vergangenen Jahr, waren mehr als die Hälfte der Neuanschaffungen E-Autos. In Italien sind es jämmerliche 0,1 Prozent. Viele Millionen Euro von Brüssel für die E-Mobilität zur Verfügung gestellt, blieben bisher ungenutzt. Italien riskiert Sanktionen wegen jahrelanger Versäumnisse beim Kampf gegen die Luftverschmutzung, deren Folgen laut Europäischer Umweltagentur jährlich 90.000 frühzeitige Todesfälle verursacht. Die Gesundheitskosten durch die schlechte Luft reichen laut Schätzungen von 47 bis 142 Milliarden Euro (Bezugsjahr 2010).

Die Atmosphäre ist keine Mülldeponie und die Naturgesetze sind nicht verhandelbar. Es gibt kein Recht auf Verschmutzung und Zerstörung der Umwelt. Hand aufs Herz, wer hat sich beim Kauf seines Autos über die Umweltverträglichkeit informiert? Untersuchungen belegen, dass den Allermeisten Leistung, Fahrverhalten, Komfort, Farbe und Ausstattung eines Autos wichtiger sind, als der Verbrauch und das Abgasverhalten.

Norbert Lantschner, Gemeinderat in Bozen

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